Matthäus 18:3 im Vergleich – viele Köche viel Brei

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Viele ahnen es – Gottes Wort ist nicht in Stein gemeißelt und Papier ist recht geduldig. Sicher kennt jeder das Zitat “Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. ” Das stammt aus dem Evangelium von Matthäus.  Es geht weiter mit den Zeilen “Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich. ”
Wer diese “Kinder (und diejenigen, die sich selbst erniedrigen) jedoch …

Und an dieser Stelle wird es etwas unübersichtlich bei all den verschienden Variationen von Bibel. Hier sind ein paar:

Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde.

But whoso shall offend one of these little ones which believe in me, it were better for him that a millstone were hanged about his neck, and that he were drowned in the depth of the sea.

Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.

But whoever causes one of these little ones who believe in me to sin, it would be better for him to have a great millstone fastened around his neck and to be drowned in the depth of the sea.

Wer dagegen einen dieser kleinen, unbedeutenden Menschen, die zu mir halten und mir vertrauen, an mir irrewerden lässt, käme noch gut weg, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im Meer versenkt würde, dort, wo es am tiefsten ist.

Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde

Wer aber einen dieser Geringen, die an mich glauben, zu Fall bringt, für den wäre es gut, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde.

“If anyone causes one of these little ones—those who believe in me—to stumble, it would be better for them to have a large millstone hung around their neck and to be drowned in the depths of the sea

Da haben wir doch sehr verschiedene Verben:

– zu Fall bringen
– Anlass zur Sünde geben
– an mir irre werden
– offend (beleidigen)
– zum Bösen verführen
– Ärgernis geben
– zum stolpern bringen
– op het slechte pad brengt (auf den schelchten Pfad bringt)
– faire tomber dans le péché (in Sünde fallen)

In den Medien liest man zu dem Zitat dann diese Interpretation:
“Theologen haben „diese Kleinen“ auch mit „die Kinder“ oder „die Armen“ gleichgesetzt. Mit dem Mühlstein am Hals ist keineswegs die Todesstrafe durch Ertrinken gemeint. Das biblische Gleichnis soll vielmehr die Schwere des Vergehens verdeutlichen, wenn das Kleine, das scheinbar Unbedeutende, missachtet, verdrängt, verletzt wird.”

Oder anderswo: ” Der Kieler Theologieprofessor Enno Edzard Popkes interpretiert das Zitat so: „Hier geht es nicht um Kinder, sondern mit den Kleinen sind Menschen gemeint, die sich wie Kinder verhalten, also intellektuell schwach begabt sind.“ Auch die Gewaltandrohung müsse kulturgeschichtlich engeordent werden. Gemeint sei nicht, den Täter tatsächlich zu ertränken: „Das ist ein typisches Beispiel für Jesustraditionen, die sich widersprechen. Man muss fragen: Was ist die eigentliche Leitinstanz? In diesem Fall ist es die Feindesliebe und das Verbot von Vergeltung – daher ist es eine drastische metaphorische Beschreibung, aber keinesfalls der Aufruf zu Lynch, Hinrichtung oder Todesstrafe.“

Diese beiden Artikel entstanden übrigens im Zusammenhang mit einer Aktion eines “mahnenden Mühlsteins” – zu dessen Einweihung diese Band gratis spielte. Wer das Video ansieht: nicht auf die Brust des Schlagzeugers achten!

Ode aus einer Predigt zur Erläuterung “Kinder glauben alles, was man ihnen erzählt. Es fällt ihnen nicht schwer, Dinge für wahr zu halten, die ihren Horizont übersteigen. Was der Vater sagt, ist immer richtig. Darauf vertrauen sie.”
In dieser Predigt habe ich einen schönen Satz gefunden: “Wenn man ihnen etwas erzählt, was sie noch nicht kennen, hören sie gespannt zu. Sie hinterfragen alles ohne Vorbehalte oder kritische Hintergedanken.” Das ist doch mal ein schöner Satz:  ohne Vorbehalte alles hinterfragen – aber ohne kritische Hintergedanken”. Was dem Autor dabei wohl durch den Kopf gegangen ist?

Und wo wir bei Predigten sind, noch dieser Auszug aus einer Predigt: “Wir sollen nämlich gerade nicht unabhängig, sondern in einer kindlichen Abhängigkeit von Gott leben wollen; Gott will für uns sorgen und uns richtig führen. Wir sollen also in einem bestimmten Sinn unselbständig sein, indem uns bewusst ist, dass wir nur in der engen Verbundenheit mit dem dreieinigen Gott wirklich Bestand haben können. Und wir sollen die Gestaltung unseres Lebens nicht aus uns selbst heraus vornehmen wollen, sondern sie von unserem Gott bestimmen lassen. Darum sollen wir auch in dieser Hinsicht werden wie die Kinder: ganz abhängig von unserem Vater im Himmel.

Lustige Christen – kein Wunder, dass sie den Fisch als Symbol haben. Wer schon mal versucht hat, einen fest zu packen zu bekommen, weiß – die flutschen einem leicht aus der Hand. Wer Lust hat, kann zu dieser Vielfalt gerne seine Interpretation in den Kommentaren ergänzen.

Gut, dass als der Mühlstein nur metaphorisch zu verstehen ist – ich hatte mir schon Sorgen gemacht. Mir hat diese Lektüre einen schönen Impuls gegeben, und was daraus wird – das schreibe ich ein anderes mal.

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