Ein Gesslerhut für Bayern

Es ist ein Kreuz mit dem Christentum – und so ähnlich wie in der Brunft bei Hirschen, treibt es den Christlichen Politiker aus dem Unterholz auf der Suche nach der Hirschkuh seiner Begierde. Im Falle des Politikers ist tritt die Wählergunst an diese Stelle. Vorsicht Wildwechsel! Damit möchte man da an so machen Aktionismus kennzeichnen. Einen besonderen Aktionismus dieser Art hat Markus Söder und sein Kabinett der bayrischen Landesregierung gerade hingelegt.

Der Gesslerhut

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an Wilhelm Tell.  Das war derSchütze, der seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schießen muss – was ihm auch gelang. Doch warum traf ihn diese Strafe, bei der er seinen Sohn auch hätte töten können?
Es gab da einen Fürst und der wollte, dass man zu ihm aufschaut. Damit das auch jeder tut und seine Unterwürfigkeit zeigt, selbst wenn er nicht da ist, hat er auf einen langen, hohen Stock auf dem Marktplatz seinen Hut ausgestellt. Jeder Bürger, der an dem Hut vorbei kam, musste diesen Hut umfänglich grüßen, so als sei es der Herr Gessler persönlich . Der Tell tat das nicht  – und so folgte die Strafe auf dem Fuße.

Der Bayrische Gesslerhut

In der Frage “Bayrischer Identität” und “Bayrischer Leitkultur, hat der Ministerpräsident Markus Söder Anleihen bei der Geschichte um den Gesslerhut gemacht. Per Dekret hat er verfügt, dass ab 01.06.2016 in jeder staatlichen Behörde ein Kreuz oder Kruzifix zu hängen habe. Dabei hat er sich (um dem Vorwurf einer religiösen Parteinahme vorzubeugen) zusätzliche noch zu dem Satz hinreißen lassen, das Kreuz sei “kein religiöses Symbol”. Um diese  ohnehin schon peinliche  Aussage vom absurden in das extrem absurde zu führen, hat er in “seiner Staatskanzlei ein Kreuz aufgehängt, das besonders Detailreich Lehren und Elemente des christlichen Glaubens illustriert. Darunter oben eine Figur, die Gott darstellt, darunter Jesus und seine Jünger, darunter dessen Hinrichtung, sowie weitere Szenen aus Jesus Leben.

Damit nimmt Söder Einfluss auf die Diskussion um die Leitkultur und schafft dem Chrsitentum einen Gesslerhut, unter dem sich die Menschen zu verneigen haben, wenn sie eine bayrische Amtsstube betreten – wenn sie denn der Intension folgen, dass mit der Zwangsverbreitung es Kreuzes mit Erwartung einhergeht, dass man sich in Bayern der vom Kreuz dominierten Bayrischen Leitkultur unterordnet.

Die Pointe der Tell-Geschichte

Dem Herrn Gessler aus der Tell Geschichte erging es übrigens nicht gut. In Erinnerung geblieben sind vor allem sein Hut und der Ausspruch “durch diese hohle Gasse muss er kommen – der Weg nach Küsnacht führt nur hier vorbei” – unschwer als die Planung eines Hinterhaltes zu erkennen, der für den durchreisenden Gessler unerquicklich verläuft und endet.

Das wünschen wir dem Herrn Söder natürlich nicht – nur, ob man für die Sicherheit der Söderschen Gesslerhüte garantieren kann?

Die ganz andere Geschichte des Christentums

Die ganz andere Geschichte des Christentums

Bei Facebook wurde ich auf einen Podcast von SWR aufmerksam. Dieser lief unter dem Titel “Die ganz andere Geschichte des Christentums” in der Serie ” SWR2 Wissen: Aula.

Warum eine Rezension dieser Sendung auf dieser Seite? –  Nun zum einen ist der Vortragende, Manfred Lütz ein bekannter vatikantreuer katholischer Apologet und Buchautor – zum andreren wendet sich der Vortrag insbesondere an die Mitglieder der Kirche und soll sie von dem abhalten, wobei diese Seite unterstützen will: aus der Kirche auszutreten.

Man kann sich dieser Sendung von vielen verschiedenen Seiten annähern und sie auf verschiedenen Ebenen analysieren. Eine Möglichkeit wäre die der rhetorischen Formen und logischen Fehlschlüsse, denn daran ist diese Vorlesung sehr reich. Eine andere wäre , welche Fakten zu Gunsten welcher anderen Fakten herausgelassen wurden. Neben der Kriminalgeschichte des Christentums von Karlheinz Deschner gibt es viele kirchenkritische Bücher , die die Serie der kirchlichen Vergehen dokumentiert.  Hier macht nun ein Theologe den umgekehrten Versuch, nämlich diese Geschichte positiv darzustellen.

 

Die ersten 1000 Jahre

Die These des Autors ist: “in den ersten tausend Jahren des Christentums gab es keine Verfolgung von Ketzern,  keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, sondern Toleranz, ethisches Verhalten und Kosmopolitismus”. In dieser Zeit waren Christen jedoch eine Minderheit., zersplittert und nicht organisiert. Schauen wir uns die Geschichte des Christentums in dieser Periode an.

Nach 300 Jahren waren etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung des römischen Reiches Christen geworden. Nachdem es im Römischen Reich  erst toleriert und dann sogar zur Staatsreligion wurde, breitete es sich innerhalb der griechisch-römischen Kultur so stark aus, dass es außerhalb des Römischen Reichs mit diesem identifiziert wurde.

Die weitgehende Christianisierung des Römischen Reichs führte jedoch nicht zu einer christlichen Einheitskultur. Neben der Reichskirche mit einem lateinischen Schwerpunkt in Rom und einem griechischen in Konstantinopel gab es, insbesondere im Vorderen Orient und Ägypten, verschiedene monophysitische Kirchen und die Assyrische Kirche des Ostens, die alle in der lokalen Sprache und Kultur fest verankert waren und blieben.

Vom 6. bis 10. Jahrhundert zerbrach das Römische Reich  unter dem germanischen Ansturm . Die ursprünglichen christlichen Kernlande, der Vordere Orient und Nordafrika, erlebten die islamische Expansion, genau so wie Sizilien und Hispanien. Die Westkirche, breitete sich aus, besonders  in Frankenreich Es folgte im 9. und 10. Jahrhundert ein absoluter Tiefpunkt des römischen Papsttums . Die östlichen Ableger der Assyrischen Kirche, die bis in das Kaiserreich China gelangt waren, gingen fast alle im “Mongolensturm” unter.

Das ist also die Phase, in der “es keine Verfolgung von Ketzern,  keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, sondern Toleranz, ethisches Verhalten und Kosmopolitismus” gegeben haben soll.

Die Einleitung

Die Vorlesung wird eingeleitet mit einem Zitat des Referenten: “Ich empfinde es als einen Skandal, dass man die Christentum-Geschichte nur als Skandalgeschichte liest. Und deshalb ist das Christentum die unbekannteste Religion der Welt. Nicht deswegen, weil man zu wenig Informationen hat, sondern weil es die ganzen Fake News über das Christentum gibt. Es geht mir also letztlich um eine Entmythologisierung mancher atheistischer Mythen, die man einfach durch Wissenschaft aufklären muss.

Gregor Gysi zum Einstieg

“Viele reden heute von Christlichem Menschenbild, viele vom christlichen Abendland, alle reden von chrstlichen Werten, aber keiner eigentlich genau, was das ist.” Beginn Lutz seinen Vortrag. Er fährt fort mit einem Zitat von Gregor Gysi (2005). Dieser bezeichnete sich als Atheist, habe aber Angst vor einer Gottlosen Gesellschaft, weil dieser die Solidarität abhanden kommen könne, Sozialismus sei schließlich nichts anderes als säkularisiertes Christentum. Da hätten wir zwei Thesen:

  • einer “gottlosen Gesellschaft” kann die Solidarität abhanden kommen
  • Sozialismus ist säkularisiertes Christentum

Solidarität ist ein Merkmal des Menschen als soziales Wesen. Es gibt sie mit und ohne Gott, mit Christentum und ohne. Tatsächlich ist die Geschichte des Christentum bis heute eine der “Entsolidarisierung”. Selbst die Leuchttürme des christlichen Widerstandes im dritten Retteten Juden nur, wenn diese auch Christen waren. Die Diskriminierung von andersgläubigen, unehelich geborenen Kindern, homosexuellen, wiederverheirateten hat ihren Ausgang in “christlicher Ethik”. Die Entsoldiarisierung mit finanziell schwächeren und rechtlosen basiert ebenfalls auf christlichen Dogmen.  Hierzu lohnt es sich die “5 Punkte Calvins” zu lesen, die prägend für die Kirchen in den USA waren und dort für genau das Gegenteil von Solidarität gesorgt haben, denn wirtschaftlicher Wohlstand in der protestantischen Ethik mitunter als Zeichen der Erwählung interpretiert. Solidarität gibt es, mit und ohne Gott. Und die These , dass Sozialismus säkularisiertes Christentum sei, ist schon alleine deshalb eine rhetorische Luftnummer, weil Sozialismus keine monolithische Erscheinung mit klarer Definition ist – ebenso, wie “Christentum”. Es ist also naheliegend, dass beide Begriffe wenn, dann eine Schnittmenge haben, die man mit der Lupe suchen muss. Weiter wird Gysi zitiert mit “die Linke sei für die Wertefrage auf Jahrzehnte diskreditiert” Die einzige Institution, die für die Weiterfrage noch relevant sei, seien die Christlichen Kirchen. Und wenn Atheismus bedeute, gegen die Kirchen zu sein, dann sei er Heide, zu dem der Glaube noch nicht gekommen sei.

Nun weiß man nicht, was Gysi mit “die Linke” gemeint hat – die Partei oder das politische Spektrum. Üblicherweise wird ja Die Linke als Nachfolgepartei der SED und damit mit der “Realsozialistischen Diktatur” einem Spinoff des Stalinismus in Verbindung gebracht und damit die Nachteile eines totalitären Zwangssystems sozialistischer Prägung auf eine heutige politische Ausrichtung übertragen, die sich auch bei Grünen, der SPD und auch bei der linken wiederfindet.

Das ist also ganz schlau gemacht. Hier wird in wenigen Sätzen klar gemacht: Solidarität und Werte – die können nur von dem Christentum kommen. Kein Christentum, keine Solidarität.

Damit höre ich jetzt erst einmal auf – und mache an einem anderen Tag weiter – vielleicht.

Wer mag, kann sich diese Sendung gerne anhören und Kommentare hinterlassen#.

Diskriminierung in Ecuador

Hier ist ein kurzes Video, das in etwa die Haltung dokumentiert, auf die man heute unterschwellig noch trifft: Du bist gut – aber ohne Gott an Deiner Seite kann das nichts werden! Hier im Video haben die “Richter” der Sendung ein Mädchen zurechtgewiesen, das zum Singen da war – und fragten es , ob es den auch an Gott glaube. Was folgte, war ein Lehrstück in religiöser Diskriminierung.

 

Aber das Ganze hatte ein Nachspiel. Berichten nach verlor eine der Jurorinnen ihren Job. Und das Mädchen hatte einen Auftritt auf der “Reason Rally” in den USA.

 

Sensation: U-Boot Christen aufgetaucht!

U-Boot-Christen treten aus der Kirche aus

Das Ende einer jahrelanger Schleichfahrt.  Eine undurchdringliche Schicht aus wirtschaftlichen und sozialen Zwängen verhinderte das Auftauchen. In den ersten Wochen des Jahres 2018 sind vermehrt  U-Boot-Christen aufgetaucht. Ihre erste Frage: “Kann ich mal austreten?” Viele informierten sich hier.

Üblicherweise tauchen U-Boot-Christen nur zu besonderen Gelegenheiten auf: Familienfeiern, wie Taufe oder Beerdigungen.  Auch zu Weihnachten erscheinen sie in eine größeren Anzahl in den Kirchen auf um dort ein “sehen-und-gesehen-werden” abzuhalten. Dabei fällt auf, dass sie was den Liederschatz anbetrifft nicht ganz text- und melodiefest sind, was den Kirchenliedern dann oft den typisch schleppenden Charakter gibt. Dieses Phänmomen wird auch in diesem Dokumentarfilm aufgegriffen. Nach diesen Events tauchen sie jedoch meistens wieder ab.

Steckt die Erderwärmung dahinter?

Das Jahr 2018 ist aber offenbar anders als viele Jahre zuvor, denn veränderte Zustände erlauben nun ein “freies Auftauchen”. Ob daran ursächlich die Erderwärmung oder eine Zunahme der Säkularisierung verantwortlich ist, ist unter den Gläubigen umstritten. “Der Freigeist geht um – dieses Abgas der Aufklärung schädigt das Klima, das Menschen im Glauben und in der Kirche gehalten hat.” sagt Bischof A. aus der Diözese O. Er möchte namentlich nicht genannt werden. “Denkverbote wären zwar wünschenswert – sind aber leider nicht durchsetzbar” ist sich Bischof A aus O sicher. “Es ist schlimm – konnte man sich früher noch darauf verlassen, dass die Menschen einen Freigeist-Katalysator verwenden, z.B. indem sie ein Blatt vor den Mund nehmen, sprechen sie heute offen aus, was sie denken.” Dies sei für das Klima der kirchlichen Zwangs-Regimes, wie sie noch im Mittelalter aber auch im Protestantismus etabliert waren, fatal.

Was passiert mit den glaubensflüchtigen U-Boot-Christen?

Dadurch, dass U-Boot-Christen bereits sozial und kulturell integriert sind, und wirtschaftlich in der Regel auf eigenen Beinen stehen, ist mit wenig Anpassungsschwierigkeiten zu rechnen. Die meisten sind im Kern evolutionäre Humanisten -oft ohne es zu wissen. Sie haben die Schöpfungs-Mythologie hinter sich gelassen und sehen die Evolution als treibende Kraft hinter der Entwicklung des Lebens und der Arten auf diesem Planeten. Daher sind viele der jetzt aufgetauchten auch erleichtert, dass sie das Dilemma auflösen können, gleichzeitig die Evolutionstheorie zu verstehen, aber an eine Schöpfung glauben zu müsssen.


Hintergrund:

Als U-Boot-Christen werden umgangssprachlich ein Menschen bezeichnet, die zwar formal einer christlichen Kirche angehören, sich aber das ganze Jahr über nicht mit dem Christentum, der Bibel oder der Kirche beschäftigt, normalerweise auch nicht zum Gottesdienst geht und sich auch nicht am Gemeindeleben beteiligt, jedoch entweder regelmäßig an den so genannten großen Feiertagen, wie zum Beispiel Weihnachten oder Ostern, die Gottesdienste besucht oder an den großen kirchlichen Familienfesten (Taufe, Konfirmation, Erstkommunion, Hochzeit und Beerdigung) die jeweilige kirchliche Begleitung nachfragt. Andere Bezeichnungen sind Karfreitags-Christ, auch Namenschrist, Taufscheinchrist oder Teilzeit-Christ, welcher im deutschen Sprachraum ca. seit den 1970er Jahren vorkommt.

Auffällig ist, dass diese Begriffe zwar tendenziell despiktierlich, also abwertend sind, jedoch die Frage ausklammern, inwieweit diese U-Boot-Christen tatsächlich Gläubige sind, oder nicht. Ob sie also zweifeln, Agnostiker oder Atheisten sind und nur aus Gewohnheit oder sozialem Druck Mitglieder der Kirche bleiben. Auch der Ausdruck “Kirchenferne” geht nicht wirklich auf die Glaubensinhalte ein, denn er erlaubt ja den Zustand eines Gläubigen, der sehr wohl an Schöpfung, Erbsünde, das Erscheinen des Messias und ein ewiges Leben nach dem Tod glaubt, sich aber von der Kirche als Organisation oder Gemeinde entfernt hat.

 

 

Atheismus und Kirchenaustritte in Polen

Ein schon älterer Artikel über Kirchenaustritte in Polen – und die Bewegung “neuer Atheisten”. Interessant und sehr deutlich aus religiöser Perspektive geschrieben. Ein Beispiel:

Zudem ist, was die Nichtexistenz Gottes betrifft, die Beweisführung der “Neuen Atheisten” keineswegs so schlüssig, wie sie vorgeben. Die Tatsache, dass Dawkins in der erklärenden Beschreibung der Evolution ohne Gott auskommt, besagt noch nicht, dass es ihn nicht gibt. Seine Negativbehauptung stellt eine der vielen Grenzüberschreitungen dar, an denen der Jahrhunderte alte Konflikt zwischen Naturwissenschaft und Theologie überaus reich ist – auf beiden Seiten. Dabei wiederholen sich die Argumente, so dass die Begründungen der “Neuen Atheisten” keineswegs so neu sind, wie sie glauben machen.

Auch in Polen kennt man offenbar die Teekanne von Bertrand Russel nicht. Es ist absolut üblich von Dingen, deren Existenz sich nicht beweisen lässt als nicht existent anzusehen, bis deren Existenz nachgewiesen wurde. Üblicherweise hält sich niemand damit auf, unglaubliches und gegen die bekannten Naturgesetze verstoßendes zu falsifizieren. Wir können davon ausgehen, dass sich auf der Rückseite des Mondes keine geheime Nazi-Basis mit Reichsflugscheiben befindet, die auf einen günstigen Zeitpunkt für die Übernahme der Welt wartet ohne dort jeden Quadratzentimeter abgesucht zu haben. Auch dass Noah von jeder “Art” Tier ein Paar auf seiner Arche hatte und alles Leben auf diesem Planeten von seiner kleinen Familie und diesem Zoo auf seinem Boot abstammt muss man nicht als “wahr” und auch nicht als “mögliche Variante” von Wahrheit ansehen, da sie außerordentlich abstrus ist. Wenn jemand diese Geschichte als “wörtlich wahr und authentisch” etablieren möchte, möge er bitte Beweise beibringen – ansonsten ist diese Geschichte ein Märchen oder aber eine in unkenntliche aufgeblähte Geschichte, bei der stille Post besonders arg zugeschlagen hat.

Auch die Systeme unter denen die Polen gelitten haben (und dass das der Fall war, daran darf kein Zweifel bestehen) werden als “gottlos” beschrieben:
“Schließlich haben wir im 20. Jahrhundert reichlich Erfahrungen mit zwei gottlosen Systemen gemacht und unter ihrer Inhumanität schwer gelitten – auch und vor allem die Polen.”  Das mit dem “gottlos” ist jedoch nur im übertragenen Sinne eindeutig der Fall. Beide Systeme bedienten sich umfassend kirchlicher Strukturen und können von kirchlicher Ethik nicht getrennt betrachtet werden. Ein Erklärungsmodell für diese totalitären Systeme verwendet daher auch den Ausdruck “politische Religion“. Im Nationalsozialismus wurden daher auch starke Bezüge zu krichlichen Traditionen erhalten und zunehmend vom System instrumentalisiert. So existierten wie im Christentum auch in den modernen Gewaltregimen “reine Lehren”, “Heilige Bücher” Ketzer und Ketzergerichte, strafbewehrte Sorge für “Glaube” und “Sitte”, Häresie und Inquisition, Dissidenten und Renegaten, Apostaten und Proselyten.” Auch das Bild der Apokalypse findet sich wieder. So schrieb ein Deutscher Soldat 1944 an seine Familie :

“Mögen auch Städte in Asche sinken,
wenn Gott auf ihren Trümmern seine Kirche errichtet,
dann ist doch diese Zeit sogar eine fruchtbare gewesen.”

Nicht zuletzt gilt Hitler als direkt von Martin Luthers Antisemitismus beeinflusst, auf den er sich auch direkt bezog. Die Systeme mögen heute als “nicht vereinbar mit christlichen Grundwerten” beurteilt werden. Gerade der Nationalsozialismus fiel jedoch auf ideologisch von den Kirchen strukturell gut vorbereiteten Boden. Das darf man nicht aus den Augen verlieren.


Aktivisten in Polen halten “Tage des Atheismus” ab.

Den Warschauer “Tagen des Atheismus” gingen bereits ähnliche Kundgebungen voraus. So zogen im Oktober 2009 rund 500 bekennende Ungläubige durch Krakau, vorbei am Amtssitz des früheren Metropoliten Karol Wojtyła, dem späteren Papst Johannes Paul II., der diese Stadt in besonderer Weise katholisch geprägt hat. Inzwischen gibt es derlei Märsche in den verschiedensten polnischen Städten. Auf Transparenten finden sich Losungen wie “Weder Gott noch Herr”, “Weltliches Europa, weltliches Polen” oder “Ich töte nicht, ich stehle nicht, ich bin kein Ehebrecher, ich glaube nicht” – ein Bekenntnis zu den sittlichen Werten, die nach Auffassung der Atheisten keiner Religion bedürfen. Besonders dieses Motto füllt – neben anderen Sprüchen – gegenwärtig großflächige Plakatwände. Initiator ist die Stiftung “Freiheit von der Religion” (Wolność od religii)

Zudem gibt es Aufrufe im Internet, sich als Atheist zu outen. So kann man sich auf einer Liste eintragen, die dazu drei Rubriken vorsieht: Atheist, Agnostiker oder Ungläubiger. Diese Liste weist inzwischen über 20.000 Namen von Personen auf, die auf diese Weise ihre Abwendung von Kirche und Glaube bekunden. Doch in den Augen der Kirche handelt es sich hierbei noch nicht um Fälle von Apostasie. Weil es in Polen nicht, wie in der Bundesrepublik Deutschland, eine zwischen Staat und Kirche vereinbarte Kirchensteuer gibt, die gleich vom Gehalt einbehalten wird, kann dort ein Kirchenaustritt nicht an die Weigerung gekoppelt werden, Kirchensteuer zu zahlen. Polens Kirche besteht vielmehr darauf, dass ein Kirchenaustritt vor dem Pfarrer der zuständigen Gemeinde persönlich erklärt wird, ein Verfahren, zu dem sich nur wenige Austrittswillige bereitfinden. Damit bilden weder die Internet-Liste noch kirchliche Daten eine verlässliche Grundlage für eine Bestimmung der Anzahl polnischer Atheisten und ihrer Motive.

Der gesamte Artikel findet sich bei der Bundeszentrale für politische Bildung

Brief säkularer Atheisten an die Ägyptische Botschaft

Eine Kriminalisierung von Atheisten wie sie in Ägypten zur Diskussion steht, ist ein Rückschritt, eine potentielle Bdrohung für Geschäftsreisend und Touristen und kann damit auch wirtschaftliche Beziehungen gefährden. Eine Gruppe säkularer Aktivisten aus Koblenz hat der Ägyptischen Botschaft in Berlin einen offen  Brief zukommen lassen.


Offener Brief an die Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
Betr.: Gesetzliche Einstufung von Atheisten als Verbrecher

Säkulare Aktivisten >>I (im Förderkreis der GBS)
56068 Koblenz, Kontakt: saekulare-aktivisten@gmx.de

Offener Brief an die

Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
Stauffenbergstr. 6/7
10785 Berlin

Betr.: Gesetzliche Einstufung von Atheisten als Verbrecher

Sehr geehrte Damen und Herren der Ägyptischen Botschaft in Berlin!

Bevor Sie diesen offenen Brief lesen, möchten wir Ihnen versichern, dass wir als Nichtgläubige keine Bedrohung für Ihr Land oder für Sie persönlich sind. Wir sind sehr friedfertige, pazifistische Menschen und unser Ziel ist eine bessere Welt ohne Krieg, Mord, Totschlag und Körperverletzung zu bewirken, mit gleichen Rechten für Frauen und Männer. Nach unserer Meinung ist das am besten möglich, wenn man alle Formen der Religion aus dem öffentlichen Leben in die Privatsphäre der Menschen verbannt. Dort kann man Verehrungsriten ausführen, solange man keinen anderen Menschen damit belästigt, gefährdet oder bedroht. Religion ist die häufigste Ursache für Krieg in der Geschichte der Menschen. Das muss ein Ende haben.
Die Bedrohungen, die jetzt gerade in Ihrem schönen und doch eigentlich so Kultur reichen Land passieren, sind für uns nicht mehr akzeptabel. Wenn Herr Amr Hamroush an einem Gesetzentwurf arbeitet mit dem Ziel einer „Kriminalisierung des Atheismus“ und die Bestrafung von Atheisten fordert, dann erschreckt uns das sehr. Natürlich bewirkt das, dass sich von uns Atheisten und Agnostikern in Deutschland niemand mehr getraut nach Ägypten zu reisen. Die Gefahr für uns liegt darin, dass Behörden in Ihrem Land ganz einfach an Hand unserer Facebook Kommentare „feststellen“ könnten, dass wir uns eines solchen Verbrechens schuldig gemacht hätten. Würden wir dann nach Sharia-Recht verurteilt werden? Und das man bei Ihnen Facebook-Aktivisten verfolgt, haben Sie ja gerade erst bewiesen.
Unsere Angst vor Gefängnis, Zwangsarbeit, Amputationen, Prügel- und Todesstrafen halten uns davon ab einen Fuß in Ihr Land zu setzen. Wir, die sich in Deutschland offen zum Atheismus bekennen, sind mehr als 10.000.000 Menschen und die vermutete Zahl der Nichtgläubigen ist noch einmal um ein Vielfaches höher. Uns werden Sie sobald nicht als Besucher Ihres Landes begrüßen können. Wie weit sich die Pläne Ihres Landes in unseren Kreisen auf unser Kaufverhalten auswirken wird, werden wir sehen. Dann wird es eben keine ägyptischen Kartoffeln und Prinzess-Bohnen und Blumen mehr geben. Schade! Ob wir auch von Kreuzfahrten mit Passagen des Suez-Kanals absehen müssen, wird die Zukunft uns lehren.
Wie wollen Sie den weiteren Niedergang der ägyptischen Wirtschaft Ihrer Bevölkerung erklären? Mit „Gottes Wille“?

Mit freundlichen Grüßen

Die Säkularen Aktivisten Koblenz

Austritte bei der katholischen und evangelischen Kirche

Austritt aus der Kirche

Im Jahr 2015 sind mehr Katholiken denn je aus der Kirche ausgetreten. Wie die Deutsche Bischofskonferenz  bekanntgab, stieg die Zahl der Austritte binnen Jahresfrist um fast 22 Prozent auf nunmehr 218.000. Im Jahr 2012 waren gar nur 118.000 Austritte registriert worden. Die Zahl der Taufen blieb gegenüber dem Vorjahr mit etwa 165.000 fast gleich.  Mehr dazu in der Frankfurter Allgemeinen.  162.093 Katholiken kehrten 2016 ihrer Kirche den Rücken, 11 Prozent weniger als 2015. Zugleich sprudeln jedoch die Kirchensteuern weiter kräftig: Die 27 Bistümer nahmen die Rekordsumme von 6,146 Milliarden Euro ein.

In der evangelischen Kirche sieht es ähnlich aus. Ein Sprecher der EKD
stellt dies so dar: “Wer heute einer christlichen Kirche angehört, entscheidet dies in völliger Freiheit“, so ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Diese “Freiheit” beanspruchten bis zum 31.12.2016 rund 21,92 Millionen Menschen für sich, die einer der 20 Gliedkirchen der EKD angehörten.

Das mit der “Freiheit” ist angesichts der Babytaufen und dem staatlich finanzierten konfessionellen Religionsunterricht und konfessionsgebundenen Schulen zwar etwas relativ. Trotzdem ist die absolute Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder um knapp 350.000 Menschen gesunken. 2015 hatten die Landeskirchen noch rund 22,27 Millionen Mitglieder, litten aber auch in dem Jahr schon unter einem Verlust von 360.000 Menschen.

Wie der Tagesspiegel berichtete haben binnen eines Jahres mehr als 352.000 Menschen die Kirchen bewusst verlassen. Eingetreten sind dagegen nur rund 31.000. Im Gesamtsaldo, also auch durch Sterbefälle, verlor die evangelische Kirche mit rund 350.000 Gläubigen fast doppelt so viele Mitglieder wie die katholische. Diese verbuchte ein Minus von rund 180.000.

Eine Untersuchung der CVJM Hochschule zu Austrittsgründen ergab, dass der am häufigsten genannte Grund sei Entfremdung oder fehlende Bindung zur Kirche gewesen sei. Erst danach folgten Gründe wie Kirchensteuer, Kritik an rückständigen Positionen, Glaubenszweifel, persönliche Verletzungen und kirchliche Skandale.

Die Babytaufe und die Folgen

Babytaufe Kircheneintritt Taufpaten

Eine Babytaufe ist ja meist wirklich niedlich. Ein kleines Baby in einem besonders hübschen Anzug bekommt etwas Wasser auf den Scheitel getropft. Daneben stehen die Eltern und zwei Taufpaten.

Es wurde kritisiert, dass das Baby bei der Babytaufe ohne rechtsgültige Willenserklärung Kirchenmitglied wird. Dies geht ist auf das verfassungsgemäße Erziehungsrecht der Eltern (Art. 6 Abs. 2 GG) zurück. Das persönliche Recht aus Art. 4 Abs. 1 GG, aus einer Religionsgemeinschaft auszutreten, steht jedoch nach § 5 des Gesetzes über die religiöse Kindererziehung vom 15.7.1921 dem Kind erst nach der Vollendung des 14. Lebensjahres mit Eintritt der Religionsmündigkeit zu. Daher bleibt die Babytaufe “legal” – ist sie aber auch ethisch vertretbar?

Selbstständigkeit muss gefördert werden

Dieses  Erziehungsrecht der Eltern ist jedoch kein Freifahrtschein. Eltern haben die Pflicht, die Interessen und Angelegenheiten  ihrer Kinder zu berücksichtigen und dessen Weg in die Eigenständigkeit zu fördern. Das ist unter anderem im § 1626 BGB festgehalten: Dort heißt es “Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbstständigem verantwortungsbewusstem Handeln. Sie besprechen mit dem Kind, soweit es nach dessen Entwicklungsstand angezeigt ist, Fragen der elterlichen Sorge und streben Einvernehmen an.”

Ein Problem stellen hier religiöse Handlungen dar, die Gültigkeit für das ganze Leben des Kindes beanspruchen, wie zum Beispiel die Taufe – besonders die Babytaufe. Denn trotzdem nehmen Kirchen diese an Säuglingen vor – wissend, dass diese nie den Wunsch danach geäußert haben.

Warum taufen lassen?

Auch kirchenferne und so genannte U-Boot-Christen lassen ihre Kinder taufen. Schauen wir mal, was die Kirche angibt, warum Eltern ihre Kinder taufen lassen sollen – hier eine Aufzählung die in dieser Form von der evangelischen Kirche Bayern angegeben wird:

  • In der Taufe sagen die Eltern Gott dem Schöpfer für das neue Leben Dank.
  • Zur Vergewisserung der Zusage Gottes, das Kind und seine Eltern zu begleiten.
  • Gott verspricht in der Taufe dem Neugetauften seinen Segen.
  • Die Taufe besiegelt die unbegrenzte, grenzenlose Liebe Gottes zu dem Menschenkind.
  • Der Getaufte tritt in die Gemeinschaft derer ein Verheißungen für sich gelten lässt: Ihr seid Gottes geliebte Kinder.
  • Das Kind weiß wo es hingehört, wenn die anderen es fragen „Was bist Du eigentlich?”
  • Paten sind für das Kind da und können seine Fragen beantworten und für es beten
  • Dem Kind wird eine grundlegende Orientierung mitgegeben: Die Geschichten und Worte von Jesus Christus, sowie der große Erfahrungsschatz der Bibel.
  • Die Taufe bietet Gelegenheit zu einem Familientreffen.

Diese Punkte sind gekürzt, sind hier aber in Gänze nachzulesen.

Einen Punkt möchte ich hier ungekürzt wiedergeben:

„Mein Kind soll sich später selbst entscheiden können, was es glauben möchte.“ Dieses Argument gegen die Kindertaufe hört man oft. Dabei ist es ihm auch mit Taufe später selbstverständlich frei gestellt, sich für oder gegen den Glauben zu entscheiden. Bei der Konfirmation, aber auch später steht es ihm immer wieder offen, der Kirche den Rücken zu kehren oder wieder zu ihr zurückzukommen. Was Eltern, die so argumentieren, vergessen: Man muss etwas kennen, um sich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden. Die Taufe bietet das Fundament dafür, dass ein Kind den Glauben in Familie, Gemeinde und Religionsunterricht kennen lernt und sich später wirklich frei entscheiden kann.”

Das steht da tatsächlich so.

  • 14 Jahre “wissen wo man hingehört”
  • 14 Jahre Taufpaten, deren Pflicht es ist die “christliche Erziehung sicherzustellen: Aufgabe des Paten ist es, den Täufling “zusammen mit den Eltern zur Taufe zu bringen und auch mitzuhelfen, dass der Getaufte ein der Taufe entsprechendes christliches Leben führt und die damit verbundenen Pflichten getreu erfüllt” (CIC, Can. 872).” Die Paten sollen die Eltern darin unterstützen, dass ihr Kind im Glauben aufwächst und christlich erzogen wird.” Dass sie das tun werden, bestätigen sie in der Taufliturgie mit den Worten “Ich bin bereit”.
  • 14 Jahre Eltern, die sich verpflichten, das Kind christlich zu erziehen.

Damit das Kind beim Erreichen der Religionsmündigkeit “wirklich frei entscheiden kann”.

Pardon – das ist verlogen!

Und damit schließe ich für heute das erste Kapitel der “95 Thesen gegen die Kirche”.

Matthäus 18:3 im Vergleich – viele Köche viel Brei

Viele ahnen es – Gottes Wort ist nicht in Stein gemeißelt und Papier ist recht geduldig. Sicher kennt jeder das Zitat “Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. ” Das stammt aus dem Evangelium von Matthäus.  Es geht weiter mit den Zeilen “Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich. ”
Wer diese “Kinder (und diejenigen, die sich selbst erniedrigen) jedoch …

Und an dieser Stelle wird es etwas unübersichtlich bei all den verschienden Variationen von Bibel. Hier sind ein paar:

Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde.

But whoso shall offend one of these little ones which believe in me, it were better for him that a millstone were hanged about his neck, and that he were drowned in the depth of the sea.

Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.

But whoever causes one of these little ones who believe in me to sin, it would be better for him to have a great millstone fastened around his neck and to be drowned in the depth of the sea.

Wer dagegen einen dieser kleinen, unbedeutenden Menschen, die zu mir halten und mir vertrauen, an mir irrewerden lässt, käme noch gut weg, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im Meer versenkt würde, dort, wo es am tiefsten ist.

Wenn aber jemand einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anlass zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde

Wer aber einen dieser Geringen, die an mich glauben, zu Fall bringt, für den wäre es gut, wenn ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und er in der Tiefe des Meeres versenkt würde.

“If anyone causes one of these little ones—those who believe in me—to stumble, it would be better for them to have a large millstone hung around their neck and to be drowned in the depths of the sea

Da haben wir doch sehr verschiedene Verben:

– zu Fall bringen
– Anlass zur Sünde geben
– an mir irre werden
– offend (beleidigen)
– zum Bösen verführen
– Ärgernis geben
– zum stolpern bringen
– op het slechte pad brengt (auf den schelchten Pfad bringt)
– faire tomber dans le péché (in Sünde fallen)

In den Medien liest man zu dem Zitat dann diese Interpretation:
“Theologen haben „diese Kleinen“ auch mit „die Kinder“ oder „die Armen“ gleichgesetzt. Mit dem Mühlstein am Hals ist keineswegs die Todesstrafe durch Ertrinken gemeint. Das biblische Gleichnis soll vielmehr die Schwere des Vergehens verdeutlichen, wenn das Kleine, das scheinbar Unbedeutende, missachtet, verdrängt, verletzt wird.”

Oder anderswo: ” Der Kieler Theologieprofessor Enno Edzard Popkes interpretiert das Zitat so: „Hier geht es nicht um Kinder, sondern mit den Kleinen sind Menschen gemeint, die sich wie Kinder verhalten, also intellektuell schwach begabt sind.“ Auch die Gewaltandrohung müsse kulturgeschichtlich engeordent werden. Gemeint sei nicht, den Täter tatsächlich zu ertränken: „Das ist ein typisches Beispiel für Jesustraditionen, die sich widersprechen. Man muss fragen: Was ist die eigentliche Leitinstanz? In diesem Fall ist es die Feindesliebe und das Verbot von Vergeltung – daher ist es eine drastische metaphorische Beschreibung, aber keinesfalls der Aufruf zu Lynch, Hinrichtung oder Todesstrafe.“

Diese beiden Artikel entstanden übrigens im Zusammenhang mit einer Aktion eines “mahnenden Mühlsteins” – zu dessen Einweihung diese Band gratis spielte. Wer das Video ansieht: nicht auf die Brust des Schlagzeugers achten!

Ode aus einer Predigt zur Erläuterung “Kinder glauben alles, was man ihnen erzählt. Es fällt ihnen nicht schwer, Dinge für wahr zu halten, die ihren Horizont übersteigen. Was der Vater sagt, ist immer richtig. Darauf vertrauen sie.”
In dieser Predigt habe ich einen schönen Satz gefunden: “Wenn man ihnen etwas erzählt, was sie noch nicht kennen, hören sie gespannt zu. Sie hinterfragen alles ohne Vorbehalte oder kritische Hintergedanken.” Das ist doch mal ein schöner Satz:  ohne Vorbehalte alles hinterfragen – aber ohne kritische Hintergedanken”. Was dem Autor dabei wohl durch den Kopf gegangen ist?

Und wo wir bei Predigten sind, noch dieser Auszug aus einer Predigt: “Wir sollen nämlich gerade nicht unabhängig, sondern in einer kindlichen Abhängigkeit von Gott leben wollen; Gott will für uns sorgen und uns richtig führen. Wir sollen also in einem bestimmten Sinn unselbständig sein, indem uns bewusst ist, dass wir nur in der engen Verbundenheit mit dem dreieinigen Gott wirklich Bestand haben können. Und wir sollen die Gestaltung unseres Lebens nicht aus uns selbst heraus vornehmen wollen, sondern sie von unserem Gott bestimmen lassen. Darum sollen wir auch in dieser Hinsicht werden wie die Kinder: ganz abhängig von unserem Vater im Himmel.

Lustige Christen – kein Wunder, dass sie den Fisch als Symbol haben. Wer schon mal versucht hat, einen fest zu packen zu bekommen, weiß – die flutschen einem leicht aus der Hand. Wer Lust hat, kann zu dieser Vielfalt gerne seine Interpretation in den Kommentaren ergänzen.

Gut, dass als der Mühlstein nur metaphorisch zu verstehen ist – ich hatte mir schon Sorgen gemacht. Mir hat diese Lektüre einen schönen Impuls gegeben, und was daraus wird – das schreibe ich ein anderes mal.

Rosinenpicken – Exegese mit Scheuklappen

Es gibt Bibelzitate die “kennt ein jedes Kind”. Matthäus 18:3 beinhaltet so ein Zitat. das lautet :

Wahrlich ich sage euch: Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Ich zitiere das immer gerne, wenn mir “kindischer Humor” vorgeworfen wird und ergänze das mit – “seht und ich plane es bei meinem Ableben auch ins Himmelreich zu schaffen und habe es dann nicht so weit. Christliche Leitkultur, nicht?”.

Leitbild Kind

Worauf ich heute jedoch hinaus will, ist leider etwas ernster – und das leitet sich aus der Tatsache her, dass die Bibel hier und Jesus mit seiner Aussage durchaus ernst genommen werden. Es gibt Diskussionen was denn genau “kindlich” bedeuten könnte und je nach Predigt, fällt das unterschiedlich aus. Die Frage, die die Jünger Jesus gestellt hatten war ja die: “ “Wer ist doch der Größte im Himmelreich?” Das Zitat erläutert Jesus mit dem Satz “Wer nun sich selbst erniedrigt wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.” Es nimmt also der Herr Jesus ein beliebiges Kind als Demonstrationsobjekt und stellt seine “Erniedrigung” in den Vordergrund. Er sagt weiter. “Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.” Da haben wir also das Leitbild “Kind” – und die, die sich wie ein Kind erniedrigen.

Gruß vom Marianengraben

Jesus antizipiert Zweifler und und Kritiker. Er fährt weiter fort mit:  “Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft werde im Meer, da es am tiefsten ist.”  In der King James Bibel ist das verwendete Verb “to offend” (beleidigen) und in der “English revised version” ist es ” cause to stumble” (zum Stolpern bringen). So heißt es auch in der “neuen evangelistischen” Ausgabe “zu Fall bringen”, denn “für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins tiefe Meer geworfen würde. Weh der Welt wegen all der Dinge, durch die Menschen zu Fall kommen! Es ist zwar unausweichlich, dass solche Dinge geschehen, doch weh dem Menschen, der daran schuld ist!

Warum jetzt “Scheuklappen”?

Nun – während Pastoren und Priester überhaupt keine Probleme haben, aus dem “so ihr nicht werdet wie die Kinder” eine rührende oder ermahnende Predigt herzuleiten – so wenig stellen sie vor, in welchem Kontext dieser Satz steht. Dort steht im Grunde ja “Für den, der einen Gläubigen zum Unglauben führt, wäre es besser (!) ertränkt zu werden.” Während das eine also als wahr und als Leitspruch taugt, wird der zweite Teil meist einfach weggelasssen. Und doch sind beides die Worte Jesu – sie können nicht unterschiedlich wahr oder unterschiedlich authentisch oder unterschiedlich verbindlich sein. Religiöse Menschen müssen also mit Scheuklappen vorgehen, wenn sie die Bibel lesen. Andererseits lesen sie ja die Bibel – aber sie können in eher säkularen Gesellschaften nicht offen darüber sprechen.

Einfach mal nachfragen

Also beim nächsten Gespräch einfach mal nachfragen: Ist der Satz “So ihr nicht werdet wie die Kinder…” für dich genau so wahr und verbindlich wie “für den wäre es besser mit einem Mühlstein um den Hals ins tiefe Meer geworfen zu werden”? Ich wäre auf die Antworten gespannt.

Ein Hinweis auf eine “seltsame Aktion”

Beim googeln bin ich auf den folgenden Artikel gestoßen – die Wanderreise des “mahnenden Mühlsteins”. Hier wird das Zitat mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht – und von einigen als “Aufforderung zur Hinrichtung” verstanden , von Theologen wird entgegnet ” die Gewaltandrohung müsse “kulturgeschichtlich engeordent werden”. Gemeint sei nicht, den Täter tatsächlich zu ertränken: „Das ist ein typisches Beispiel für Jesustraditionen, die sich widersprechen. Man muss fragen: Was ist die eigentliche Leitinstanz? In diesem Fall ist es die Feindesliebe und das Verbot von Vergeltung – daher ist es eine drastische metaphorische Beschreibung, aber keinesfalls der Aufruf zu Lynch, Hinrichtung oder Todesstrafe.” Na dann ist ja gut.

Und nun weiter im Bibeltext

Weh der Welt wegen all der Dinge, durch die Menschen zu Fall kommen! Es ist zwar unausweichlich, dass solche Dinge geschehen, doch weh dem Menschen, der daran schuld ist! Und wenn es deine Hand oder dein Fuß ist, die dich zum Bösen verführen, dann hack sie ab und wirf sie weg! Es ist besser, du gehst verstümmelt oder als Krüppel ins Leben ein, als mit beiden Händen und beiden Füßen in die Hölle zu kommen, in das ewige Feuer. Und wenn es dein Auge ist, das dich verführt, so reiß es heraus und wirf es weg! Es ist besser für dich, du gehst einäugig in das Leben ein, als dass du beide Augen behältst und in das Feuer der Hölle geworfen wirst. Hütet euch davor, einen dieser Geringgeachteten überheblich zu behandeln!

Also was nun?

Es ist schon seltsam – das ist wirklich ein metapherreicher Text, nicht? Worum geht es nun? Kinder nicht zu misshandeln oder sich über Gläubige nicht lustig zu machen oder sie zum Abfall vom Glauben zu verführen.

Die Kapitelüberschrift lautet: Warnung vor Verführung vom Abfall.

Verführung zum Abfall
Verführung zum Abfall

Ich denke, da lügen sich die Damen und Herren einfach selbst in die  Tasche. Da geht also die “Feindesliebe” vor, hat man in neuerer Zeit herausgefunden? Also gibt es keinen Mühlstein für Menschen, die sich über Gläubige lustig machen oder die zum Abfall verführt? Wenn denn die Gläubigen Christen in diesem Punkte dem Vorbild nacheifern und “wie die Kinder” sind, benötigt dann die gesamte Gemeinde “Welpenschutz”? Ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie man als Christ nicht über diese unlautere Herangehensweise an den biblischen Text stolpern kann – und zwar auch ohne, dass man mit der Nase darauf gestoßen wird.