Ein Gesslerhut für Bayern

Es ist ein Kreuz mit dem Christentum – und so ähnlich wie in der Brunft bei Hirschen, treibt es den Christlichen Politiker aus dem Unterholz auf der Suche nach der Hirschkuh seiner Begierde. Im Falle des Politikers ist tritt die Wählergunst an diese Stelle. Vorsicht Wildwechsel! Damit möchte man da an so machen Aktionismus kennzeichnen. Einen besonderen Aktionismus dieser Art hat Markus Söder und sein Kabinett der bayrischen Landesregierung gerade hingelegt.

Der Gesslerhut

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an Wilhelm Tell.  Das war derSchütze, der seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schießen muss – was ihm auch gelang. Doch warum traf ihn diese Strafe, bei der er seinen Sohn auch hätte töten können?
Es gab da einen Fürst und der wollte, dass man zu ihm aufschaut. Damit das auch jeder tut und seine Unterwürfigkeit zeigt, selbst wenn er nicht da ist, hat er auf einen langen, hohen Stock auf dem Marktplatz seinen Hut ausgestellt. Jeder Bürger, der an dem Hut vorbei kam, musste diesen Hut umfänglich grüßen, so als sei es der Herr Gessler persönlich . Der Tell tat das nicht  – und so folgte die Strafe auf dem Fuße.

Der Bayrische Gesslerhut

In der Frage “Bayrischer Identität” und “Bayrischer Leitkultur, hat der Ministerpräsident Markus Söder Anleihen bei der Geschichte um den Gesslerhut gemacht. Per Dekret hat er verfügt, dass ab 01.06.2016 in jeder staatlichen Behörde ein Kreuz oder Kruzifix zu hängen habe. Dabei hat er sich (um dem Vorwurf einer religiösen Parteinahme vorzubeugen) zusätzliche noch zu dem Satz hinreißen lassen, das Kreuz sei “kein religiöses Symbol”. Um diese  ohnehin schon peinliche  Aussage vom absurden in das extrem absurde zu führen, hat er in “seiner Staatskanzlei ein Kreuz aufgehängt, das besonders Detailreich Lehren und Elemente des christlichen Glaubens illustriert. Darunter oben eine Figur, die Gott darstellt, darunter Jesus und seine Jünger, darunter dessen Hinrichtung, sowie weitere Szenen aus Jesus Leben.

Damit nimmt Söder Einfluss auf die Diskussion um die Leitkultur und schafft dem Chrsitentum einen Gesslerhut, unter dem sich die Menschen zu verneigen haben, wenn sie eine bayrische Amtsstube betreten – wenn sie denn der Intension folgen, dass mit der Zwangsverbreitung es Kreuzes mit Erwartung einhergeht, dass man sich in Bayern der vom Kreuz dominierten Bayrischen Leitkultur unterordnet.

Die Pointe der Tell-Geschichte

Dem Herrn Gessler aus der Tell Geschichte erging es übrigens nicht gut. In Erinnerung geblieben sind vor allem sein Hut und der Ausspruch “durch diese hohle Gasse muss er kommen – der Weg nach Küsnacht führt nur hier vorbei” – unschwer als die Planung eines Hinterhaltes zu erkennen, der für den durchreisenden Gessler unerquicklich verläuft und endet.

Das wünschen wir dem Herrn Söder natürlich nicht – nur, ob man für die Sicherheit der Söderschen Gesslerhüte garantieren kann?

Die Babytaufe und die Folgen

Babytaufe Kircheneintritt Taufpaten

Eine Babytaufe ist ja meist wirklich niedlich. Ein kleines Baby in einem besonders hübschen Anzug bekommt etwas Wasser auf den Scheitel getropft. Daneben stehen die Eltern und zwei Taufpaten.

Es wurde kritisiert, dass das Baby bei der Babytaufe ohne rechtsgültige Willenserklärung Kirchenmitglied wird. Dies geht ist auf das verfassungsgemäße Erziehungsrecht der Eltern (Art. 6 Abs. 2 GG) zurück. Das persönliche Recht aus Art. 4 Abs. 1 GG, aus einer Religionsgemeinschaft auszutreten, steht jedoch nach § 5 des Gesetzes über die religiöse Kindererziehung vom 15.7.1921 dem Kind erst nach der Vollendung des 14. Lebensjahres mit Eintritt der Religionsmündigkeit zu. Daher bleibt die Babytaufe “legal” – ist sie aber auch ethisch vertretbar?

Selbstständigkeit muss gefördert werden

Dieses  Erziehungsrecht der Eltern ist jedoch kein Freifahrtschein. Eltern haben die Pflicht, die Interessen und Angelegenheiten  ihrer Kinder zu berücksichtigen und dessen Weg in die Eigenständigkeit zu fördern. Das ist unter anderem im § 1626 BGB festgehalten: Dort heißt es “Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbstständigem verantwortungsbewusstem Handeln. Sie besprechen mit dem Kind, soweit es nach dessen Entwicklungsstand angezeigt ist, Fragen der elterlichen Sorge und streben Einvernehmen an.”

Ein Problem stellen hier religiöse Handlungen dar, die Gültigkeit für das ganze Leben des Kindes beanspruchen, wie zum Beispiel die Taufe – besonders die Babytaufe. Denn trotzdem nehmen Kirchen diese an Säuglingen vor – wissend, dass diese nie den Wunsch danach geäußert haben.

Warum taufen lassen?

Auch kirchenferne und so genannte U-Boot-Christen lassen ihre Kinder taufen. Schauen wir mal, was die Kirche angibt, warum Eltern ihre Kinder taufen lassen sollen – hier eine Aufzählung die in dieser Form von der evangelischen Kirche Bayern angegeben wird:

  • In der Taufe sagen die Eltern Gott dem Schöpfer für das neue Leben Dank.
  • Zur Vergewisserung der Zusage Gottes, das Kind und seine Eltern zu begleiten.
  • Gott verspricht in der Taufe dem Neugetauften seinen Segen.
  • Die Taufe besiegelt die unbegrenzte, grenzenlose Liebe Gottes zu dem Menschenkind.
  • Der Getaufte tritt in die Gemeinschaft derer ein Verheißungen für sich gelten lässt: Ihr seid Gottes geliebte Kinder.
  • Das Kind weiß wo es hingehört, wenn die anderen es fragen „Was bist Du eigentlich?”
  • Paten sind für das Kind da und können seine Fragen beantworten und für es beten
  • Dem Kind wird eine grundlegende Orientierung mitgegeben: Die Geschichten und Worte von Jesus Christus, sowie der große Erfahrungsschatz der Bibel.
  • Die Taufe bietet Gelegenheit zu einem Familientreffen.

Diese Punkte sind gekürzt, sind hier aber in Gänze nachzulesen.

Einen Punkt möchte ich hier ungekürzt wiedergeben:

„Mein Kind soll sich später selbst entscheiden können, was es glauben möchte.“ Dieses Argument gegen die Kindertaufe hört man oft. Dabei ist es ihm auch mit Taufe später selbstverständlich frei gestellt, sich für oder gegen den Glauben zu entscheiden. Bei der Konfirmation, aber auch später steht es ihm immer wieder offen, der Kirche den Rücken zu kehren oder wieder zu ihr zurückzukommen. Was Eltern, die so argumentieren, vergessen: Man muss etwas kennen, um sich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden. Die Taufe bietet das Fundament dafür, dass ein Kind den Glauben in Familie, Gemeinde und Religionsunterricht kennen lernt und sich später wirklich frei entscheiden kann.”

Das steht da tatsächlich so.

  • 14 Jahre “wissen wo man hingehört”
  • 14 Jahre Taufpaten, deren Pflicht es ist die “christliche Erziehung sicherzustellen: Aufgabe des Paten ist es, den Täufling “zusammen mit den Eltern zur Taufe zu bringen und auch mitzuhelfen, dass der Getaufte ein der Taufe entsprechendes christliches Leben führt und die damit verbundenen Pflichten getreu erfüllt” (CIC, Can. 872).” Die Paten sollen die Eltern darin unterstützen, dass ihr Kind im Glauben aufwächst und christlich erzogen wird.” Dass sie das tun werden, bestätigen sie in der Taufliturgie mit den Worten “Ich bin bereit”.
  • 14 Jahre Eltern, die sich verpflichten, das Kind christlich zu erziehen.

Damit das Kind beim Erreichen der Religionsmündigkeit “wirklich frei entscheiden kann”.

Pardon – das ist verlogen!

Und damit schließe ich für heute das erste Kapitel der “95 Thesen gegen die Kirche”.