Brief säkularer Atheisten an die Ägyptische Botschaft

Eine Kriminalisierung von Atheisten wie sie in Ägypten zur Diskussion steht, ist ein Rückschritt, eine potentielle Bdrohung für Geschäftsreisend und Touristen und kann damit auch wirtschaftliche Beziehungen gefährden. Eine Gruppe säkularer Aktivisten aus Koblenz hat der Ägyptischen Botschaft in Berlin einen offen  Brief zukommen lassen.


Offener Brief an die Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
Betr.: Gesetzliche Einstufung von Atheisten als Verbrecher

Säkulare Aktivisten >>I (im Förderkreis der GBS)
56068 Koblenz, Kontakt: saekulare-aktivisten@gmx.de

Offener Brief an die

Botschaft der Arabischen Republik Ägypten
Stauffenbergstr. 6/7
10785 Berlin

Betr.: Gesetzliche Einstufung von Atheisten als Verbrecher

Sehr geehrte Damen und Herren der Ägyptischen Botschaft in Berlin!

Bevor Sie diesen offenen Brief lesen, möchten wir Ihnen versichern, dass wir als Nichtgläubige keine Bedrohung für Ihr Land oder für Sie persönlich sind. Wir sind sehr friedfertige, pazifistische Menschen und unser Ziel ist eine bessere Welt ohne Krieg, Mord, Totschlag und Körperverletzung zu bewirken, mit gleichen Rechten für Frauen und Männer. Nach unserer Meinung ist das am besten möglich, wenn man alle Formen der Religion aus dem öffentlichen Leben in die Privatsphäre der Menschen verbannt. Dort kann man Verehrungsriten ausführen, solange man keinen anderen Menschen damit belästigt, gefährdet oder bedroht. Religion ist die häufigste Ursache für Krieg in der Geschichte der Menschen. Das muss ein Ende haben.
Die Bedrohungen, die jetzt gerade in Ihrem schönen und doch eigentlich so Kultur reichen Land passieren, sind für uns nicht mehr akzeptabel. Wenn Herr Amr Hamroush an einem Gesetzentwurf arbeitet mit dem Ziel einer „Kriminalisierung des Atheismus“ und die Bestrafung von Atheisten fordert, dann erschreckt uns das sehr. Natürlich bewirkt das, dass sich von uns Atheisten und Agnostikern in Deutschland niemand mehr getraut nach Ägypten zu reisen. Die Gefahr für uns liegt darin, dass Behörden in Ihrem Land ganz einfach an Hand unserer Facebook Kommentare „feststellen“ könnten, dass wir uns eines solchen Verbrechens schuldig gemacht hätten. Würden wir dann nach Sharia-Recht verurteilt werden? Und das man bei Ihnen Facebook-Aktivisten verfolgt, haben Sie ja gerade erst bewiesen.
Unsere Angst vor Gefängnis, Zwangsarbeit, Amputationen, Prügel- und Todesstrafen halten uns davon ab einen Fuß in Ihr Land zu setzen. Wir, die sich in Deutschland offen zum Atheismus bekennen, sind mehr als 10.000.000 Menschen und die vermutete Zahl der Nichtgläubigen ist noch einmal um ein Vielfaches höher. Uns werden Sie sobald nicht als Besucher Ihres Landes begrüßen können. Wie weit sich die Pläne Ihres Landes in unseren Kreisen auf unser Kaufverhalten auswirken wird, werden wir sehen. Dann wird es eben keine ägyptischen Kartoffeln und Prinzess-Bohnen und Blumen mehr geben. Schade! Ob wir auch von Kreuzfahrten mit Passagen des Suez-Kanals absehen müssen, wird die Zukunft uns lehren.
Wie wollen Sie den weiteren Niedergang der ägyptischen Wirtschaft Ihrer Bevölkerung erklären? Mit „Gottes Wille“?

Mit freundlichen Grüßen

Die Säkularen Aktivisten Koblenz

Rosinenpicken – Exegese mit Scheuklappen

Es gibt Bibelzitate die “kennt ein jedes Kind”. Matthäus 18:3 beinhaltet so ein Zitat. das lautet :

Wahrlich ich sage euch: Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Ich zitiere das immer gerne, wenn mir “kindischer Humor” vorgeworfen wird und ergänze das mit – “seht und ich plane es bei meinem Ableben auch ins Himmelreich zu schaffen und habe es dann nicht so weit. Christliche Leitkultur, nicht?”.

Leitbild Kind

Worauf ich heute jedoch hinaus will, ist leider etwas ernster – und das leitet sich aus der Tatsache her, dass die Bibel hier und Jesus mit seiner Aussage durchaus ernst genommen werden. Es gibt Diskussionen was denn genau “kindlich” bedeuten könnte und je nach Predigt, fällt das unterschiedlich aus. Die Frage, die die Jünger Jesus gestellt hatten war ja die: “ “Wer ist doch der Größte im Himmelreich?” Das Zitat erläutert Jesus mit dem Satz “Wer nun sich selbst erniedrigt wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.” Es nimmt also der Herr Jesus ein beliebiges Kind als Demonstrationsobjekt und stellt seine “Erniedrigung” in den Vordergrund. Er sagt weiter. “Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.” Da haben wir also das Leitbild “Kind” – und die, die sich wie ein Kind erniedrigen.

Gruß vom Marianengraben

Jesus antizipiert Zweifler und und Kritiker. Er fährt weiter fort mit:  “Wer aber ärgert dieser Geringsten einen, die an mich glauben, dem wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft werde im Meer, da es am tiefsten ist.”  In der King James Bibel ist das verwendete Verb “to offend” (beleidigen) und in der “English revised version” ist es ” cause to stumble” (zum Stolpern bringen). So heißt es auch in der “neuen evangelistischen” Ausgabe “zu Fall bringen”, denn “für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins tiefe Meer geworfen würde. Weh der Welt wegen all der Dinge, durch die Menschen zu Fall kommen! Es ist zwar unausweichlich, dass solche Dinge geschehen, doch weh dem Menschen, der daran schuld ist!

Warum jetzt “Scheuklappen”?

Nun – während Pastoren und Priester überhaupt keine Probleme haben, aus dem “so ihr nicht werdet wie die Kinder” eine rührende oder ermahnende Predigt herzuleiten – so wenig stellen sie vor, in welchem Kontext dieser Satz steht. Dort steht im Grunde ja “Für den, der einen Gläubigen zum Unglauben führt, wäre es besser (!) ertränkt zu werden.” Während das eine also als wahr und als Leitspruch taugt, wird der zweite Teil meist einfach weggelasssen. Und doch sind beides die Worte Jesu – sie können nicht unterschiedlich wahr oder unterschiedlich authentisch oder unterschiedlich verbindlich sein. Religiöse Menschen müssen also mit Scheuklappen vorgehen, wenn sie die Bibel lesen. Andererseits lesen sie ja die Bibel – aber sie können in eher säkularen Gesellschaften nicht offen darüber sprechen.

Einfach mal nachfragen

Also beim nächsten Gespräch einfach mal nachfragen: Ist der Satz “So ihr nicht werdet wie die Kinder…” für dich genau so wahr und verbindlich wie “für den wäre es besser mit einem Mühlstein um den Hals ins tiefe Meer geworfen zu werden”? Ich wäre auf die Antworten gespannt.

Ein Hinweis auf eine “seltsame Aktion”

Beim googeln bin ich auf den folgenden Artikel gestoßen – die Wanderreise des “mahnenden Mühlsteins”. Hier wird das Zitat mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht – und von einigen als “Aufforderung zur Hinrichtung” verstanden , von Theologen wird entgegnet ” die Gewaltandrohung müsse “kulturgeschichtlich engeordent werden”. Gemeint sei nicht, den Täter tatsächlich zu ertränken: „Das ist ein typisches Beispiel für Jesustraditionen, die sich widersprechen. Man muss fragen: Was ist die eigentliche Leitinstanz? In diesem Fall ist es die Feindesliebe und das Verbot von Vergeltung – daher ist es eine drastische metaphorische Beschreibung, aber keinesfalls der Aufruf zu Lynch, Hinrichtung oder Todesstrafe.” Na dann ist ja gut.

Und nun weiter im Bibeltext

Weh der Welt wegen all der Dinge, durch die Menschen zu Fall kommen! Es ist zwar unausweichlich, dass solche Dinge geschehen, doch weh dem Menschen, der daran schuld ist! Und wenn es deine Hand oder dein Fuß ist, die dich zum Bösen verführen, dann hack sie ab und wirf sie weg! Es ist besser, du gehst verstümmelt oder als Krüppel ins Leben ein, als mit beiden Händen und beiden Füßen in die Hölle zu kommen, in das ewige Feuer. Und wenn es dein Auge ist, das dich verführt, so reiß es heraus und wirf es weg! Es ist besser für dich, du gehst einäugig in das Leben ein, als dass du beide Augen behältst und in das Feuer der Hölle geworfen wirst. Hütet euch davor, einen dieser Geringgeachteten überheblich zu behandeln!

Also was nun?

Es ist schon seltsam – das ist wirklich ein metapherreicher Text, nicht? Worum geht es nun? Kinder nicht zu misshandeln oder sich über Gläubige nicht lustig zu machen oder sie zum Abfall vom Glauben zu verführen.

Die Kapitelüberschrift lautet: Warnung vor Verführung vom Abfall.

Verführung zum Abfall
Verführung zum Abfall

Ich denke, da lügen sich die Damen und Herren einfach selbst in die  Tasche. Da geht also die “Feindesliebe” vor, hat man in neuerer Zeit herausgefunden? Also gibt es keinen Mühlstein für Menschen, die sich über Gläubige lustig machen oder die zum Abfall verführt? Wenn denn die Gläubigen Christen in diesem Punkte dem Vorbild nacheifern und “wie die Kinder” sind, benötigt dann die gesamte Gemeinde “Welpenschutz”? Ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie man als Christ nicht über diese unlautere Herangehensweise an den biblischen Text stolpern kann – und zwar auch ohne, dass man mit der Nase darauf gestoßen wird.

Diskriminierung von Atheisten in Ägypten

Diskriminierung von Atheisten

Der Chef des Ausschusses für Religion im ägyptischen Parlament will künftig alle Landsleute bestrafen, die nicht an Gott glauben. Einen entsprechenden Gesetzentwurf zur “Kriminalisierung des Atheismus” arbeite er derzeit aus, hat Hamroush verkündet.

Atheismus muss unter Strafe gestellt werden, weil Atheisten keinen Glauben haben und weil sie die abrahamitischen Religionen beleidigen”, sagt Hamroush. Mit seiner Vorlage reagiere er auf die angebliche Ausbreitung des Atheismus in der ägyptischen Gesellschaft. “Wenn jemand die Religion verlässt, an die er geglaubt hat, bedeutet das eine Verachtung aller Religionen”, argumentiert der Politiker.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-gesetz-gegen-atheisten-kampf-gegen-die-nichtglaeubigen-a-1185410.html