Diskriminierung von Konnfessionslosen und Atheisten

teilen mit:


Konfessionslose und Atheisten bilden mit 26 Millionen Menschen in Deutschland eine Gruppe, die in etwa einem Drittel der Bevölkerung entspricht. Der überwiegende Teil von ihnen ist tatsächlich nicht religiös. Die Verteilung zwischen Stadt und Land  ist deutlich. So liegt der Anteil Konfessionsloser in Ballungszentren und Großstädten deutlich höher und im Schnitt eher bei 50 Prozent der Bewohner.

Wer jedoch nicht Mitglied einer Kirche oder einer anderen traditionellen Glaubensgemeinschaft ist, hat oft schlechte Karten. Denn “Tradition” hat in Deutschland ein System der Diskriminierung etabliert, das auf dem Arbeitsmarkt, in den Bildungseinrichtungen, den Medien und der öffentlichen Wahrnehmung wirkt.

Die Frage “Was passiert, wenn ich austrete?” bewegen sich oft in sehr kirchlichen Bezügen – “Du kannst kein Taufpate sein!” oder “Deine Kinder können nicht getauft werden!” oder “Du kannst nicht kirchlich heiraten” – doch die Möglichkeiten der Diskriminierung gehen sehr weit über diese direkten Wechselwirkungen mit der Organsiation, die man verlässt hinausgehen.

Bürger zweiter Klasse?

Wie konnte sich so ein System etablieren – und warum ist es auch im 21.Jahrhundert in Zeiten des “Antidiskriminierungsgesetzes” – dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) überhaupt noch legal?
Die Wurzel des Übels liegt in der Übernahme des Rechts und der Weltanschauungen aus der Weimarer Reichsverfassung. Obwohl dies die “Gleichstellung” der Religionen und und Weltanschauungen berücksichtigt, nimmt es doch die Kirchen als den Standard und die Norm an. Ist eine Glaubensgemeinschaft oder eine Gruppe von Menschen gleicher Weltanschauung also nicht “als Kirche” und in der Rechtsform einer Körperschaft organisiert, ist faktisch und auch rechtlich Mitglied einer “Weltanschauung zweiter Klasse”. Dadurch werden alle anders Organisationen und auch Menschen die keiner Weltanschauungsgemeinschaft angehören strukturell benachteiligt.

Wer nicht als Kirche organisiert ist und wer nicht in der Rechtsform der Körperschaft existiert, erscheint rechtlich und auch faktisch als Religion bzw. Weltanschauung zweiter Klasse. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Noch immer ist in Recht und Politik die ‚Kirche‘ die normsetzende Form von Religion und Weltanschauung. Alle anders organisierten Religionen und Weltanschauungen werden strukturell benachteiligt.“

Ist die organisierte Diskriminierung Geheimwissen?

Das Thema der Diskriminierung wird schon lange kontrovers diskutiert. Erst 2015 wurde im Rahmen des Projekts “Gläserne Wände” die organisierte Diskriminierung  und Benachteiligung von konfessionslosen und Atheisten strukturiert dokumentiert. Darin wird auf aktuelle Konfliktfelder verwiesen und  auf gezeigt, in welchen Bereichen Bürgerinnen und Bürger ohne religiöses Bekenntnis benachteiligt werden – auch anhand von Fallbeispielen. Der Bericht dokumentiert die politischen und rechtlichen Hintergründe der heutigen Situation . Zusätzlich wurden Lösungsansätze gefunden, wie die Politik die Benachteiligungen abbauen könnte.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.