Die ganz andere Geschichte des Christentums

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Bei Facebook wurde ich auf einen Podcast von SWR aufmerksam. Dieser lief unter dem Titel “Die ganz andere Geschichte des Christentums” in der Serie ” SWR2 Wissen: Aula.

Warum eine Rezension dieser Sendung auf dieser Seite? –  Nun zum einen ist der Vortragende, Manfred Lütz ein bekannter vatikantreuer katholischer Apologet und Buchautor – zum andreren wendet sich der Vortrag insbesondere an die Mitglieder der Kirche und soll sie von dem abhalten, wobei diese Seite unterstützen will: aus der Kirche auszutreten.

Man kann sich dieser Sendung von vielen verschiedenen Seiten annähern und sie auf verschiedenen Ebenen analysieren. Eine Möglichkeit wäre die der rhetorischen Formen und logischen Fehlschlüsse, denn daran ist diese Vorlesung sehr reich. Eine andere wäre , welche Fakten zu Gunsten welcher anderen Fakten herausgelassen wurden. Neben der Kriminalgeschichte des Christentums von Karlheinz Deschner gibt es viele kirchenkritische Bücher , die die Serie der kirchlichen Vergehen dokumentiert.  Hier macht nun ein Theologe den umgekehrten Versuch, nämlich diese Geschichte positiv darzustellen.

 

Die ersten 1000 Jahre

Die These des Autors ist: “in den ersten tausend Jahren des Christentums gab es keine Verfolgung von Ketzern,  keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, sondern Toleranz, ethisches Verhalten und Kosmopolitismus”. In dieser Zeit waren Christen jedoch eine Minderheit., zersplittert und nicht organisiert. Schauen wir uns die Geschichte des Christentums in dieser Periode an.

Nach 300 Jahren waren etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung des römischen Reiches Christen geworden. Nachdem es im Römischen Reich  erst toleriert und dann sogar zur Staatsreligion wurde, breitete es sich innerhalb der griechisch-römischen Kultur so stark aus, dass es außerhalb des Römischen Reichs mit diesem identifiziert wurde.

Die weitgehende Christianisierung des Römischen Reichs führte jedoch nicht zu einer christlichen Einheitskultur. Neben der Reichskirche mit einem lateinischen Schwerpunkt in Rom und einem griechischen in Konstantinopel gab es, insbesondere im Vorderen Orient und Ägypten, verschiedene monophysitische Kirchen und die Assyrische Kirche des Ostens, die alle in der lokalen Sprache und Kultur fest verankert waren und blieben.

Vom 6. bis 10. Jahrhundert zerbrach das Römische Reich  unter dem germanischen Ansturm . Die ursprünglichen christlichen Kernlande, der Vordere Orient und Nordafrika, erlebten die islamische Expansion, genau so wie Sizilien und Hispanien. Die Westkirche, breitete sich aus, besonders  in Frankenreich Es folgte im 9. und 10. Jahrhundert ein absoluter Tiefpunkt des römischen Papsttums . Die östlichen Ableger der Assyrischen Kirche, die bis in das Kaiserreich China gelangt waren, gingen fast alle im “Mongolensturm” unter.

Das ist also die Phase, in der “es keine Verfolgung von Ketzern,  keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, sondern Toleranz, ethisches Verhalten und Kosmopolitismus” gegeben haben soll.

Die Einleitung

Die Vorlesung wird eingeleitet mit einem Zitat des Referenten: “Ich empfinde es als einen Skandal, dass man die Christentum-Geschichte nur als Skandalgeschichte liest. Und deshalb ist das Christentum die unbekannteste Religion der Welt. Nicht deswegen, weil man zu wenig Informationen hat, sondern weil es die ganzen Fake News über das Christentum gibt. Es geht mir also letztlich um eine Entmythologisierung mancher atheistischer Mythen, die man einfach durch Wissenschaft aufklären muss.

Gregor Gysi zum Einstieg

“Viele reden heute von Christlichem Menschenbild, viele vom christlichen Abendland, alle reden von chrstlichen Werten, aber keiner eigentlich genau, was das ist.” Beginn Lutz seinen Vortrag. Er fährt fort mit einem Zitat von Gregor Gysi (2005). Dieser bezeichnete sich als Atheist, habe aber Angst vor einer Gottlosen Gesellschaft, weil dieser die Solidarität abhanden kommen könne, Sozialismus sei schließlich nichts anderes als säkularisiertes Christentum. Da hätten wir zwei Thesen:

  • einer “gottlosen Gesellschaft” kann die Solidarität abhanden kommen
  • Sozialismus ist säkularisiertes Christentum

Solidarität ist ein Merkmal des Menschen als soziales Wesen. Es gibt sie mit und ohne Gott, mit Christentum und ohne. Tatsächlich ist die Geschichte des Christentum bis heute eine der “Entsolidarisierung”. Selbst die Leuchttürme des christlichen Widerstandes im dritten Retteten Juden nur, wenn diese auch Christen waren. Die Diskriminierung von andersgläubigen, unehelich geborenen Kindern, homosexuellen, wiederverheirateten hat ihren Ausgang in “christlicher Ethik”. Die Entsoldiarisierung mit finanziell schwächeren und rechtlosen basiert ebenfalls auf christlichen Dogmen.  Hierzu lohnt es sich die “5 Punkte Calvins” zu lesen, die prägend für die Kirchen in den USA waren und dort für genau das Gegenteil von Solidarität gesorgt haben, denn wirtschaftlicher Wohlstand in der protestantischen Ethik mitunter als Zeichen der Erwählung interpretiert. Solidarität gibt es, mit und ohne Gott. Und die These , dass Sozialismus säkularisiertes Christentum sei, ist schon alleine deshalb eine rhetorische Luftnummer, weil Sozialismus keine monolithische Erscheinung mit klarer Definition ist – ebenso, wie “Christentum”. Es ist also naheliegend, dass beide Begriffe wenn, dann eine Schnittmenge haben, die man mit der Lupe suchen muss. Weiter wird Gysi zitiert mit “die Linke sei für die Wertefrage auf Jahrzehnte diskreditiert” Die einzige Institution, die für die Weiterfrage noch relevant sei, seien die Christlichen Kirchen. Und wenn Atheismus bedeute, gegen die Kirchen zu sein, dann sei er Heide, zu dem der Glaube noch nicht gekommen sei.

Nun weiß man nicht, was Gysi mit “die Linke” gemeint hat – die Partei oder das politische Spektrum. Üblicherweise wird ja Die Linke als Nachfolgepartei der SED und damit mit der “Realsozialistischen Diktatur” einem Spinoff des Stalinismus in Verbindung gebracht und damit die Nachteile eines totalitären Zwangssystems sozialistischer Prägung auf eine heutige politische Ausrichtung übertragen, die sich auch bei Grünen, der SPD und auch bei der linken wiederfindet.

Das ist also ganz schlau gemacht. Hier wird in wenigen Sätzen klar gemacht: Solidarität und Werte – die können nur von dem Christentum kommen. Kein Christentum, keine Solidarität.

Damit höre ich jetzt erst einmal auf – und mache an einem anderen Tag weiter – vielleicht.

Wer mag, kann sich diese Sendung gerne anhören und Kommentare hinterlassen#.

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