Nicht so schlimm

Es war ein sonniger Sommertag 1980 und ich hatte Langeweile in der großen Pause der 12. Klasse. Also fuhr ich rasch mit dem Rad zum Rathaus und fragte beim Bürgerbüro, wo ich denn mal eben aus der Kirche austreten könnte.
“Standesamt!”

Ich da angeklopft. “Herein!”
Ein älterer, freundlicher Herr qualmte das Standesamt mit seiner Pfeife zu und bat mich, Platz zu nehmen. “Was kann ich für Sie tun?”
Ich so: “Ich möchte aus der Kirche austreten.”
Er so: “Aha – katholisch oder evangelisch?”
Ich: “Evangelisch.”
Er: “Na, dann is’ es ja nicht so schlimm.”

Die Prozedur war kurz, schmerzlos und mündete in einem A5-Ausdruck, der mir meine geistige Freiheit ab sofort bescheinigte. Dafür wollte er 20 DM haben.

Ich so: “Was? Geht’s noch?!? Dafür bezahl’ ich doch nicht noch. – Schönen Tag noch, ich muss wieder zum Gymnasium.”

Er so: “Jo.”

Ulf Dunkel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.