Unter Druck konfirmiert. Half auch nichts.

Ich wurde als Baby getauft. Zum Glück für die Protestanten ist die Konfirmantion, also die Auffrischung des Gottesgeläubigesses erst mit 13 Jahren. Und da kann man schon eigenständig denken. Also ging ich in den Konfirmations-Unterricht, habe die Bibel gelesen, Fragen gestellt und kam zu einem für die Kirche negativen Ergebnis. Also sagte ich meinen Eltern, dass ich mich nicht konfirmieren lassen wollte. Erst kam mir meine Mutter mit der tollen Feier und mit dem guten Essen und dass ich mir wünschen dürfte, was ich wollte.
Ich sagte, das Essen sei mir egal.
Dann sprach sie von den vielen Geschenken und dem Geld, was ich bekommen würde.
Ich sagte, dass ich mir meine Einstellung nicht abkaufen lassen wollte.
Dann kam meine Mutter mit dem ultimativen Mittel: Aber deiner Oma würde es das Herz brechen!
Man muss dazu wissen, dass meine Eltern beide Unternehmer waren und meine Oma mich erzogen hat.
Also stimmte ich schweren Herzens zu.
Später erfuhr ich, dass meiner Oma das nichts ausgemacht hätte. Ein Verrat meiner Mutter, den ich ihr bis zu ihrem Lebensende nie verzeihen konnte.

Später ging ich in der Berufsschule in den Religionsunterricht. Damals war das noch Pflichtfach. Wir hatten einen alten Kirchenmann als Lehrer. Im ersten Halbjahr sagte ich fast nichts und bekam eine 1. Im zweiten Halbjahr hatte ich ein Kartenspiel unter dem Tisch. Ich glaube, es war ein Song von Jonny Cash, dass man aus den Karten die Bibel lesen könne. Das habe ich meinem Lehrer gesagt. Ich bekam eine 3. Im dritten Halbjahr hatten wir das Thema Euthanasie im 3. Reich. Ich entsann mich meines Deutschlehrers aus der Mittelschule, der mir beibrachte, dass man als Advocatus Diabolus eine lahme Klasse zur Diskussion aufstacheln könne. Also behauptete ich, das toll zu finden, was die Nazis damals gemacht haben. Es kam zu der von mir provozierten Diskussion und ich bekam eine 5.
Danach hatte ich entgültig die Schnauze voll. Ich ging zum Rektor und beschwerte mich. Der erklärte mir, dass der Mann ja bereits uralt sei und kurz vor der Pensionierung stehe. Wenn ich jetzt einen Aufstand machen würde, dann wäre das schädlich. Ich bekam statt Regligionsunterricht eine Freistunde und habe sie genutzt, um aufs nahe Bürgermeisteramt zu gehen und aus der Religion auszutreten.
Ein Schritt, den ich nur einmal im Leben bereut habe. Meine Jugendliebe kam aus einer fundamentalistisch-katholischen Familie und so sehr wir uns liebten, wagte sie es nicht, ihrer Familie einen atheistischen Freund vorzustellen.

Michael